Steigende Lizenzkosten, neue Cloud-Modelle und Fragen der digitalen Souveränität zwingen Unternehmen dazu, ihre IT-Strategien regelmäßig zu überprüfen. ITWelt.at sprach mit Björn Orth, Geschäftsführer von VENDOSOFT, über Microsoft-Lock-ins, hybride Lizenzmodelle und die Frage, wie Unternehmen ihre Verhandlungsposition stärken können.
Viele Unternehmen sind heute tief im Microsoft-Ökosystem verankert. Wie groß ist ihr tatsächlicher Handlungsspielraum, wenn sich Lizenzmodelle, Preise oder Nutzungsbedingungen ändern?
Björn Orth: Größer, als viele glauben – auch innerhalb des Microsoft-Ökosystems! Das Problem ist in meinen Augen nicht so sehr, dass Microsoft versucht, Abhängigkeiten zu schaffen – sondern dass Unternehmen Spielräume nicht ausnutzen. Sobald man jedoch die tatsächliche Nutzung, künftige Anforderungen und die vorhandenen Lizenzbestände genauer analysiert, entstehen Optionen. Gleichzeitig ist Lizenzierung heute keine Entscheidung für die nächsten zehn Jahre mehr.
Microsoft verändert nahezu jährlich Preise, Lizenzbedingungen und Paketinhalte. Deshalb lohnt es sich, die eigene Situation immer wieder neu zu bewerten. Nicht selten stellen wir fest, dass Unternehmen für Leistungen und Programme bezahlen, die sie nicht benötigen oder das vor Jahren gewählte Lösungen nicht mehr zum heutigen Bedarf passen. Die Lizenzstrategie neu bewerten, das klingt erstmal nach Aufwand. Doch effektiv sparen Kunden mit den von uns erarbeiteten Microsoft-Modellen 30 bis 40 Prozent ihrer bisherigen Kosten ein!
Wo verläuft aus Ihrer Sicht die Grenze zwischen sinnvoller Kundenbindung und einem Lock-in, aus dem Unternehmen kaum noch herauskommen?
Kundenbindung ist völlig legitim. Ein Lock-in nicht. Der entsteht, wenn Preisänderungen, Vertragsbedingungen oder technische Vorgaben akzeptiert werden müssen, weil es keinen anderen Weg mehr gibt. In diese Situation geraten Unternehmen, die die Alternativen nicht kennen, Entscheidungen treffen, weil etwas „schon immer so gemacht wurde“ oder weil es der Trend ist. Für Microsoft ist das der Best-Case. Wir hingegen bewerten systematisch alle Möglichkeiten – von klassischen Kauflizenzen bis zu kniffligen Mischmodellen aus gebrauchter On-Premises-Software und M365-Services. Damit eröffnen wir Handlungsspielräume, denn allein dieses Wissen stärkt die Verhandlungsposition unserer Kunden und reduziert die Abhängigkeit von Cloud-Diensten.
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